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Gepäckträgertaschen SL 55 ELEGANCE NB
nacktradeln.de
Von der Staustufe Iffezheim
nackig am Rhein lang bis Strassbourg

Nackig den Rhein raufradeln

von und mit Rainer


..hier der lange versprochene Tourenbericht von Baden-Baden nach Strassbourg - nackig :-)

Je nun, in etwas verkürzter Form, denn die Fahrt von Baden-Baden Stadt an den Rheinstrom ist ja in den zuvor veröffentlichten Streckenbeschreibungen ausführlich besprochen.
Dafür aber mit etwas Sozialromantik angerichtet.

Zudem werden wir hier keine Schockeffekte bieten, wie etwa 'Nackt am Münsterturm' oder auch 'Nackig in der Bundesgartenschau :-) ', sondern die Tour erfährt im äußersten Norden Strassbourgs, nämlich im Boit de la Robertsau ihren Wendepunkt, wo es noch grün ist.

Bei angenehmem Hochfrühlingswetter, 24° und strahlender Sonne, fuhr ich am Pfingstsamstag schon ab Hügelsheim Hardtwald nackig entblättert los.
Einige Verkehrsteilnehmer auf der Bundestraße B36, die ich abgestiegen von einem Feldweg her überquerte, wollten es wieder mal nicht glauben, und ich hoffte, daß die Bike-Piloten auch auf ihre Spurführung ein wenig achteten, denn es sah schon wackelig aus, wie sie ihren Kopf nach mir drehten.

Dafür sollte ihnen die Einsicht zuteil geworden sein, daß sie für den schönen Lenz doch ein bissel zu schwer angezogen waren.
Ich dafür umso idealer !

Doch es war wenig Verkehr um kurz nach Mittag, da das Pfingstvolk noch mit Einkaufen beschäftigt war.

Ein sonnenbeschienener Schlenker durchs Hamm (Rand des ehemaligen Flußbetts, nun Wiesen und Äcker), schon trabt von rechts auf dem Nebendamm am Altrhein eine Herrenrunde des Wegs, die entsprechende Dankbarkeit für launigen Gesprächsstoff beim Bier nach anstrengender Wanderung bekundet, als ich aus der Hammniederung in sanftem Winkel zu ihnen auffahre.

nacktradeln
Hamm

Ein Senior schaut von seinem Angelsitz hinter Weiden am Altrhein herüber.
Schon bin ich weiter Richtung Rheinstrom abgebogen, zunächst zum Kieswerk an der Staustufe.

Hier ist Nacktlaufen Pflicht und so falle ich gar nicht ins Gewicht, wenn ich kurz mal absitze, um noch etwas Sonnenschutz aufzubringen, und mein Gefährt durch gefährliche Treibkieselfelder zu schieben, auf denen ich sonst beim Darüberrollen unterginge.

So halbumrunde ich den See nach Norden, ein Genuß in früher Sonne.
Nach der Schranke ('Zugang strengstens unerlaubt!') folgt die zugehörige benutzergruppengeschlossene Surf- und Liege-Einrichtung.

Ein klitzekleiner irritierter weiblicher Blick aus dem Liegestuhl; kaum bin ich wieder in Fahrt, folgt ein größerer, festerer Blick hinter einer Speisenzubereitungsstelle; in Kürze blickt eine nunmehr in heller Entgeisterung befindliche Liegewiese, ob dies überhaupt so geschehen darf, wie es hier um diese Stunde geschah.

Doch, wir kennen ja nun das Spiel, noch ehe sich das Verstehen des Unerklärbaren Bahn bricht, ist die wundersame Erscheinung entfleucht, denn ich fahre doch ohne Rast einfach weiter, immer weiter..

Aber mal bei Licht besehen:
Was die sich erregen müssen, bloß weil mal einer ohne Sportscheck-Outfit an der Porsche-Oase der Glückseligen vorbeiradelt, wo die doch genau wissen, daß direkt nebenan die Armen auch völlig nackt in der Sonne braten.
Nur eben, ihrer Notdurft angemessen, versteckt und unsichtbar für die Barbecue-Menschen.

Aber was halfs, trotz Entzückensschreien, die von hinterm Haus an mein Ohr eilten, war ich gezwungen, man höre, an der hier beginnenden Auffahrtsrampe auf den Grenzübergang, Schnellstraße B500, anzuhalten und für einen Moment eine schambedeckende Kleidung anzulegen.

Wie nun das ?

Ja, es ist tatsächlich so, daß es Stellen gibt, wo sogar ich mich trotz meines starken Entkleidungsdrangs bei gutem Wetter mal verhülle.

Solche Stellen sind beispielsweise sämtliche Rheinübergänge hier in der Nähe, also im großen und ganzen die Staustufen (Wehre) mit Anfahrtsrampen, und ein paar schmale Brücken, ebenso natürlich im Fährverkehr :-)

Die schmal gebauten und teilweise schlimm zugerichteten Grenzübergänge (heute unbesetzt und ohne staatliche Supervision befahrbar) sind für Radler und auch für den LKW-Verkehr einfach zu gefährlich.
Wenn da mal einer von der Brücke fällt, weil er sich nach diesem megageilen Nacktradler umdrehen muß..

Einmal bin ich aus Faulheit nackig über die östliche Brücke zum Stauwehr Iffezheim gefahren, ganz außen auf der schmalen Kombispur, während direkt neben mir die LKW mit 100 vorbeischossen, und zwar ziemlich wackelig.
Das mach ich nimmer - wenns natürlich auch was tolles is, an so prominenter Stelle nackt zu flitzen :-)

Also nochmal ein Aufruf an alle Kollegen: Auf eklatant gefährlichen, kombinierten Schnellstraßen (Rad/Fuß/LKW direkt über- und nebeneinander) darf man einfach nicht ohne Hose rumfahren - viiiiel zu gefährlich !

So fuhr ich also verkehrsgerecht ausgerüstet mit einer schwarzen Nylonbadehose, Typ 'Shorts', auf der Brücke über den Baggersee auf das Stauwehr.
Es ist auch so gefährlich genug, wenn man wie ich in der Geisterrichtung unterwegs ist, und sowohl Radler wie Autos als Gegenverkehr hat.

Kurz vor dem Wehr biege ich zum Rheinkiosk ab, hinter dem nach kurzem Trampelpfad der große Rheindamm an der Schleusenmole beginnt.

Der Damm ist hier über 10 Meter hoch, also sehr hoch über Gelände.
Ein idealer Platz, die erstmögliche Rastbank an der Mole bei den Schiffen anzusteuern und sich der lästigen Schamverhüllung wieder zu entledigen.

Trotz bestem Sonnenschein sind erst wenige Staustufentouristen unterwegs, Menschen die sehr langsam gehen und viel um sich sehen, ob sie was verpassen..

Aber nicht doch !
Hier verpasst niemand die Verwandlung eines angezogenen in einen Nacktradler in kürzester Zeit!

Kurz noch einmal Sonnencreme an die kritischen Stellen nachgelegt, und wieder aufgeschwungen.
Menschen in einer Entfernung, die alles Handeln unmöglich macht, begleiten mit interessierter Miene das Aufschwingen des Nacktradfahrers.
Radfahren ist nun mal so ! :-)

Mole an der Staustufe Iffezheim
Hier an der Mole geht es los:
Beginn des Dammabschnitts von Iffezheim nach Gambsheim

Damm frei !
Ab jetzt wird es ernst.

Die Staustufe ist der eigentliche Ausgangspunkt unserer heutigen Tour.
Bis zur nächsten Staustufe sind es 27 Kilometer, nach Strassbourg La Robertsau noch einmal 10.

In angenehm freier Bahn radle ich den weit geschwungenen Dammweg an nur wenigen erstaunten Menschen vorbei zur Schiffsrampe Hügelsheim. Ich kann mich ausgiebig mit Wettrennen mit dem Schiffsverkehr befassen und weiß mich auch stromseits von Fernrohren beobachtet.
Ein aufwärts fahrender Frachter ist rasch überholt, mit etwas flotter Kondition ist auch manches sparsame Sportboot zu packen.

An der Rampe ist um halb 2 noch nicht viel los, und so radle ich, von der Rheinseitenstraße aus immer mal wieder gehupt und gekrischen, den nächsten Rheinbogen flott zur Rampe in Söllingen weiter, wo auch wenig Betrieb ist.
Junge Menschen, die sich zu Besonnungszwecken auf der Rampenschräge niedergelassen haben, werfen mir von unten wundernd-ergriffene Blicke zu.
Welche faulen Leute legen auch ihr Strandtuch auf das Pflaster einer Schiffsrampe, wenn nebendran ein See mit angenehmen Uferplätzen zum Baden einlädt ?

Ich jedenfalls erfreue mich an dem unbeschreiblichen Gefühl, hier in bester Sonne so prominent durch den Himmel zu fahren (der gestaute Rhein liegt über Gelände), und der warme Fahrtwind umspielt meine Eier.
Von der Begleitstraße etwas Jubel, und vom Fluß winken auch etliche aus dem Kahn :-)

Wasserlandschaft am Rheindamm
Wasserlandschaft am Rheindamm
mit Rheinseitenstraße

So geht es fort bis zum Hafen Greffern, denn man kann den Rheindamm endlich wieder durchgängig befahren, und es könnte eigentlich immer so fortgehen.
Man kann den Genuß des Nacktradfahrens nicht hoch genug loben !

Am Yachthafen ist auch noch Siesta, obwohl ich bereits von einigen Skippern erspäht bin.
Nun bitte, meine Damen und Herrn, man weiß ja, was auf ihren Nachen sonst noch los ist, da bin ich immerhin die reine ätherische Leibeszucht.

Nach gelungener Hafenumrundung fahre ich vom Damm ab auf die Begleitstraße, um eine Baustellensperrung zu umgehen.
Kurz nachdem man die Dammbaustelle auf der Straße durchfahren hat, kann man wieder zum Damm abbiegen und muß dann leider eine gewagte Klettertour unternehmen, um auf den Dammweg zu gelangen.

Hierbei sehe ich den billigen Wagen aus den Niederlanden, der mir ab Greffern Hafen auffiel, an der beschrankten Einmündung des Damm-Nebenwegs umdrehen.
Die wollten es also doch noch mal genauer wissen..

Rhein bei Greffern
Rhein bei Greffern
---> zum Vergrößern auf das Bild klicken !

Naja, ein Schluck Getränk, und der Pilot sitzt wieder im Sattel und pedalt weiter am Rhein Richtung Fähre Greffern.

Dort ist wochenends immer Urlaubsstimmung, und so werde ich schon von weitem mit frohen Helau von der einfahrenden Flußfähre begrüßt.
Es ist nicht ganz einfach, sich durch die dichtgestaffelte Schlange an der Zufahrt durchzuquetschen, die abfahrende Kolonne passieren zu lassen, und rasch nach rechts auf die Fährstraße loszuschiessen, sobald sich eine Lücke ergibt.
Noch dazu muß das aus allen Richtungen dringende 'Guck mal, der is nackig' -Gegacker dutzender Kinder, Frauen und Hunde entsprechend gewürdigt und abgespeichert werden und das alles gaaaaaanz nackt !

Na, da steige ich in die Eisen, um in Sekunden an der dutzende Wagen langen Kolonne vorbeizukommen, denn hier ist eine erneute Dammsperrung nur auf der Autostraße zu umfahren.
Durch heruntergelassene Fenster rufen mir beglückte junge Frauen Scherzworte hinterher - dazu sei nicht verschwiegen, daß ausgerechnet an der Fähre ein Clublokal mit Menstrip-Darbietungen in den liebesfrohen Mai startet.

Ach du Schreck !
Eine weitere Straßensperrung hat zur Folge, daß mir auf der Umfahrung der Dammbaustelle der ganze Fährverkehr folgt.
Na, das braucht gute Nerven, denn einen Radweg gibt es hier nicht, und eine kerzengerade Chaussee beschwingt den Automoblisten, mit lockerem Gasfuß an der tollen Aussicht vorbei zu pesen

Einige hundert Meter weiter biege ich wieder Richtung Rheindamm ab auf die Schiffsrampe Greffern, wo Menschen orbitaler sozialer Zuordnung mitten auf dem Weg ihre Aldi-Grilladen rösten.
Ein kurzer Augenblick der Angst um das Sparerip, doch schon braust der Nacktradler mit blankem Arsch hinfort, als wäre nichts geschehen.

Den Kieshafen Grauelsbaum umrunde ich unter zweifelndem Auge des hier für gewöhnlich promenierenden älteren Publikums.
Dabei bin ich gerade so gut eingefahren :-)

Bei wirklich idealem Frühsommerwetter radle ich den Rheindamm weiter rauf bis zur Renchmündung.
Auf diesem einsamen Stück habe ich wieder Gelegenheit, die Teilnehmer im Wasserverkehr etwas zu unterhalten, denn manches Schifflein ist grad etwas weniger schnell als ich in meinem windschnittigen Anzug.

Rhein bei der Renchmündung
Rhein bei der Renchmündung

In wörtlicher Haaresbreite an einer rastenden Radausflugsgruppe vorbei biege ich vom Rhein- auf den Renchdamm.
Da es hier keine Brücke über die Rench gibt, muß man nun den Strom für einige Kilometer verlassen, um die nächste Rheinstaustufe Gambsheim (Grenzübergang) durch den Auwald am Altrhein entlang zu erreichen.

Also ein Stück zum Auskühlen während es bislang in prächtiger Sonne ging.
Die kühlen Stellen sind jedoch nur im Schatten direkt am Wasser. An den Nebendämmen, von denen sich hier bei Helmlingen eine ganze Landschaft entfaltet, ist es doch schön sonnig warm.
Überdies hat im Mai die hier sehr böse Schnakenplage noch nicht eingesetzt, ein ganz wichtiger Aspekt für den Nacktradler.

Durch den Auwald fahre ich in routinierter Streckenkenntnis.
Angler ziehen ihren Kram hinter dem Moped her und gucken, erste Sonnenhungrige eilen zum Badestrand des örtlichen Baggersees.

Als ich nach der Walddurchfahrt am Angelteich nach Freistett komme, sitzt ein Liebespaar aus den 60ern am Angelheim und der blond ondulierte weibliche Part gibt dramaturgisch passend ihrem schon etwas weißhaarigen Schatz einen Kuss, als ich die wellige Asphaltpiste entlangschieße.
"Geht alles !" rufe ich ihnen zu, aber die 2 verstehen nichts..

Weiter hinter dem Kalksandsteinwerk vorbei, wo samstags Stille herrscht.
Die Zufahrt zum Yachthafen Rheinau ist ebenso verwaist.
Lediglich ein paar junge Menschen sind Richtung Rheinufer unterwegs und finden es geil und quietschen wie Meerschweinchen, denn in Freistett passiert wenig.

Ich flitze über die Straße zum Flußufer, Richtung Rampe auf das Stauwehr Gambsheim.
Zunächst geht es den Nebendamm rauf, dann durch ein rundes Loch in der Rampe der Schnellstraße.
Auf der anderen Seite des Lochs noch eine lange Treppe und schon sind wir oben.

Doch halt - was haben wir gelernt ?
Nie unbekleidet über die Stauwehre !
Also das Rad geparkt an einer kommoden technischen Stelle hier neben dem Grenzübergang, ein Schluck Getränk, ein bisschen Wasser abschlagen, und dann der Griff in den Koffer, wo diese schwarze Nylon-Badehose schon ihren 2. Einsatz heute erwartet.

So verschönt, erklimmen wir mit unserem schwerbeladenen Gefährt die lange Treppe, die uns mitten in den schlimmsten Grenzverkehrstrubel entläßt.
Nun setzen wir nämlich nach Frankreich über!

Das Stauwehr Gambsheim ist auf einem arschknappen, auf französischer Seite abenteuerlich verworfenen Gehweg zu überqueren. Wegen Bauarbeiten besteht auf diesem schmalen Grat auch noch Gegenverkehr durch Radfahrer aus der anderen Richtung.

Nachdem ich mich glücklich durch den Verkehr navigiert habe, gelange ich zum Cafe auf der französischen Seite des Wehrs.
Hier geht die Dammbegleitstraße französischerseits los.

Die ist aber verkehrsfrei, weil durch sie keine Ortschaften erreicht werden.
Vielmehr ist sie durch eine tückische Brückendemontage weiter nördlich zur Sackgasse rückgebildet worden.

Ideales Nacktradelrevier !
Wobei allerdings der konservative Umgangstil des katholischen Elsaß gegengerechnet werden muß.

Zunächst fahren wir neben dem wieder überhohen Rheindamm (12 Meter) auf der Straße entlang, bis wir eine hölzerne Stiege finden, die den Damm hinaufführt.

Das Rad gut in die Hand genommen, einmal probewuchten und dann mit eiserner Pranke die 40 Stufen hochgeschleppt.
Bereits beim Näherkommen bemerkten wir junge lebensfrohe Angler, die sich ebenfalls an dieser Stiege abmühten, obwohl sie mit ihren PKW bis direkt an die erste Stufe geparkt waren.
Nun galt es auch noch, die schweren 24er-Flaschenkästen empor zu schaffen, sonst würde man den ganzen Nachmittag im Trockenen fischen !

Oben angekommen, fiel mir auf, daß ich noch immer unangemessen behost war, und befand es für zeitig, 1. eine Rast auf der nun mit Anfahrt immerhin 47 Kilometer währenden Reise zu unternehmen, und mich 2. zu diesem Zweck meines Textils zu entledigen.

Ein paar Meter neben dem in Entstehung begriffenen Angel-Besäufnis fand ich einen passenden Platz, entsorgte meine Hose in den Koffer, und entlockte diesem bei der Gelegenheit gleich wohlschmeckendes Haribo-Konfekt, welches müde Radfahrergesichter bald zum Strahlen bringt.

Nach genußvoller Rast schwang ich mich auf, weiter nach Süden.
Auch auf französischer Stromseite ist die Nacktbefahrung des Rheindamms ein großes Glück, besonders, weil der Staubereich bei Gambsheim eine gewisse südliche Anmutung wie an der Riviera zu bieten hat.

Der Damm ist recht einsam, weil er wegen der unterbrochenen Begleitstraße gleichsam ein totes Eck bildet, das nicht von Strassbourg aus mit dem Wagen zu erreichen ist.
Nur ein paar Kampfradler rollen die 15 Kilometer ab Strassbourg Mitte hier herauf, dazu ganz wenige Jogger, die auf verschlungenen Wegen anfahren.

Dafür gibt es umso mehr Angelfreunde hier oben, und ein paar wenige Spaziergänger aus den umliegenden Käffern.

Diese sind allerdings eisenkonservativ, und so merke ich, wie unschuldige Kinder schnell noch vom Anblick des Bösen weggedreht werden, und ungnädige Blicke treffen mich.
Auch entgegenkommende Radfahrer oder Läufer schauen mir recht böse in die Augen, ganz anders als in Deutschland.

Ich bin dort nun schon öfter nackig geradelt, und die angetroffene Feindseligkeit des französischen Volkes stört mich eigentlich nicht.
Viel zu schön und kilometerlang menschenleer ist die dortige Rheinlandschaft!

Leider ist die Wegqualität des Damms oberhalb der Einstauzone beschissen.
Man benötigt ein robustes Rad, oder man muß die Straße wählen, was angesichts der tollen Aussicht und des Rhein-Feelings auf dem Damm ein Jammer wäre.

Auch hier auf der französischen Rheinseite ist heute nachmittag wenig los.
An der Schiffsrampe La Wantzenau ein Opa mit Enkel, mehr ist nicht, und so radle ich weiter nach Süden, wo man schon den Münsterturm hinter dem Auwald (Bois de la Robertsau) sieht, bis zur Kläranlage Strassbourg Nord.

Direkt nebenan badet man an den zwei Waldtümpeln Etang de Blauelsand und Etang de Leutesheim nackt - eine bißchen merkwürdige Kombination, eben typisch französisch :-)

Unterwegs überhole ich noch 2 Damen, die sich mit ächzendem Fahrgerät über die Holperpiste quälen.
Wie ich im Spiegel sehe, werfen sich diese vor Schreck ins Gras, als sie mich sehen - dabei habe ich gar nicht geklingelt !

Mittlerweile habe ich den ab Strassbourg zugänglichen Teil der Rheinnebenstraße erreicht, und schon stelle ich fest, daß ich von einem PKW verfolgt werde.
Na, dem Manne muß doch mal gewunken werden :-)

Nun beleben sich Damm und Straße, denn wochenends herrscht hier reges Treiben in der Erholzone der Großstadt.
Und mein Erscheinen hebt den Pegel.

An der Kläranlage, direkt beim Etang de Leutesheim, fahre ich den Damm runter auf die Straße, hier ist nämlich mein Wendepunkt.
Auf der Straße wieder zurück Richtung Norden, denn eine Leuten, die sich in Strassbourg auskennen, nicht unbekannte Wiese in der Nähe des Klärwerks, doch ohne dessen Gestank wie die Etangs, dient mir hier gewöhnlich zur Rast.
Die mit nackten Leibern vollgepferchten Etangs verschmähe ich.

Ah, sieh mal an, da fahren die schreckhaften Mädels von soeben auf dem Damm vorbei und gucken runter, wie das Monster nun allen Ernstes mitten durch die Leute und durch die Autos fährt.
Na, da muß doch mal gewunken werden!
Haaaallllo :-)

Tja und an dem konservativen Herrn im Renault, der mich seit 1 Kilometer verfolgt, bin ich eben auch grüßend vorbeigefahren - oh Schreck , nun hatte der umgedreht und verfolgte mich in die andere Richtung !

Da sollte ich mal ein bisschen sprinten, und dann schnell nach links neben dem Klärwerk einen geheimen Weg hinein, der mit einer durchgehenden Kette gesperrt ist.

Ich warf noch einen Blick zurück und sah, wie der Renault an der Sperre hängenblieb, die Tür ging auf und ein interessierter Kopf schaute heraus.
Na, das schien meine Chance zu sein: Ich drehte auf der Stelle um, und fragte den Herrn erstmal, ob er ein wenig Deutsch versteht, welches er mit Entzücken bejahte.
"Sagen Sie mal", fragte ich, "hätten Sie nicht Lust, ein Foto von mir zu machen ?", denn hier schien mir die Chance zu liegen, einmal dem immer wieder beklagten Fotomangel beim Nacktradeln entgegentreten zu können.

Die Augen des konservativen Herrn leuchteten! "Ein Foto? - Ja natüürlisch!"
Au weia, eine Schwuchtel. Der hatte sich wohl eher ein Foto von meinem in der Ausstoßung eines Samenstrahls begriffenen Geschlechtsapparats vorgestellt, während ich mehr auf ein Bild eines nackt radfahrenden Menschen im Verkehrsstrom abhob.
Schon war seine Hand an meinem Arsch.

Ich lies aber eine laszive Stimmung gar nicht erst aufkommen, und lief, um meine Volldigital-Kamera zu holen.

Dann gab ich Anweisung, von wo aus ich abzulichten sei:
Ich bestand auf mehreren Bildern auf der befahrenen Rheinseitenstraße, eins von links, zwei von rechts.
Schon hatte der Pédé widerwillig die Kamera in der Hand, und ich startete auf der Fahrbahn.

Mit viel guter Laune fuhr ich am Fotografen vorbei, der sich sichtbar quälte und zu Tode schämte.
Wenn da bloß nicht die Polizei kommt und alle mitnimmt!

Na, ich hoffte, daß der den Knopf richtig findet.
Beim Wenden zwecks Fahrtrichtungswechsels fiel mir allerdings ein Motorrad auf, das mir den Weg abschnitt.
Der Pilot mit Zigarre sah aus wie ein Rocker, und eben schon blockierte er mich mit dem Vorderrad und drohte damit, mich umzuschmeißen.

Die folgenden zahlreichen Unflätigkeiten verstand ich glücklicherweise zu weniger als einem Viertel, da diese in Französisch abgefaßt waren.

Jedenfalls verstand ich soviel, als daß er mich auf der Stelle mit dem Motorrad umschmeißen und zusammenschlagen wollte, der Bursch, wenn ich nicht sofort seinem ästetischen Gerechtigkeitssinn genügen wollte, und mich in knöchellanges Tuchwerk werfen, denn er sei von Gott dem Herrn gesandt, die Schande und die Sünde mit eigener Faust zu bekämpfen.

Na, ich lasse mich da nicht lange in Feindschaften reinziehen bei gutem Wetter, und schon hatte meine mitgebrachte kurze Hose ihren 3. Auftritt heute nachmittag.
Obwohl nicht ganz klar wurde, ob der katholische Herr doch noch gewalttätiger werden wollte, fuhr er mit dem Motorrad weiter in die Hofeinfahrt grade gegenüber.

Ich dagegen fuhr zur Tunte, meine Kamera einsammeln. Die hob jämmerliches Geschrei an, daß gleich die Polizei käme und alle abholen würden, grauenhaft.

Nichtsdestotrotz immer noch allerbester Laune, bedankte ich mich herzlich für das schöne Foto, und außerdem bedankte ich mich herzlich bei Gott dem Herrn, daß er mir diesen Pédé für den weiteren Nachmittag ersparte, denn der raste eben im Renault mit Vollgas davon, um vermutlich nicht mehr wieder zu kommen :-)

Wie mir aufmerksame Umstehende erläuterten, handelte es sich bei dem Randalierer um den Hausmeister des Klärwerks, der mit seinen energischen Aktionen zum Schutze seiner 13 und 15 Jahre alten Söhne vor dem Anblick Homosexueller hier schon einige Bekanntheit errungen hat.
Die beiden schauten dem Treiben aus der Hauseinfahrt zu und waren bestimmt stolz auf ihren flotten Daddy.
Aber ob das schon reicht, damit sie nicht auch schwul werden ?

Also bitte, wenn ihr da mal nackig radeln wollt, seht euch vor !

Nun, nach diesen sich überschlagenden Ereignissen stieg ich auf, um ein paar Meter weiter meinen ruhig gelegenen Rastplatz zu beziehen, und vor allem die Hose wieder loszuwerden.

Dem durchschnittlichen Nacktradler empfehle ich dagegen mehr einen von den beiden Nudisten-Tümpeln (da wo alles zugeparkt ist) nach der Kläranlage.
Welche ehrliche Naturist will auch schon stundenlang von älteren Herrschaften im Lichtrock bespannt werden ?
Oder aber ihr macht eine Städtetour :-)

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..und wieder zurück !

Nacktradeln bei Strassbourg
Am Rheindamm bei Strassbourg

Mir gefällts dagegen recht gut dort, landschaftlich sehr schön, und ideal nackt zu beradeln, garantiert mit Aufmerksamkeitseffekten.

Aber heiß ist es dort auch, und so packte ich nach 2 Stündchen wieder ein, um nun zunächst über die Rheinseitenstraße zurück zum Stauwehr zu gelangen.

Auf diesem Weg muß man allerdings die Bruchstelle in der Straße passieren, während ich für die Hinfahrt ja den durchgehenden Rheindamm wählte.
Diese Stelle ist eine Furt in einem Altrheinabfluß, über der die ehemalige Brücke beseitigt wurde.

Ich bin immer ein wenig unsicher, ob die Furt auch nutzbar sein wird, und eine ziemliche Kletterei auf wackeligen Steinen mit dem beladenen Fahrrad ist es auch.

Und da hatten wir auch schon den Scheiß:
Beim ranfahren sah ich schon, wie am anderen Ufer ein Cycliste seine Beinchen trockenwischte, um wieder in die Schlappen zu steigen:
Furt überschwemmt !

Immerhin war ich ja nackig, aber angesichts der Flutkatastrophe erntete ich wenig Aufmerksamkeit damit, denn die von beiden Seiten gestrandeten Radfahrer überlegten, ob sie eine Durchquerung mit ihrem empfindlichen Material wagen sollten, oder lieber umdrehen.

Mir würde nun nur entschlossenes Handeln weiterhelfen, wenn das hier nicht wieder eskalieren sollte.

nacktradeln
schönes Nacktradeln

Was andere können, können wir auch, dachten wir uns, und so packte ich erstmal mein Rad ab in genau 3 Teile.
Dann stellte ich noch meine Radfahrsandalen neben den Esel und watete mit den Gepäckstücken balancierend Tritt für Tritt durch den wackeligen Felsengrund der Furt.
Sehr erotisch finde ich das - das muß aber nun allen Umstehenden gut gefallen haben :-)

Glücklich erreichte ich das gegenüberliegende Ufer, wo ich meine Koffer deponierte, und dabei hoffte, daß nicht Stare das Schönste daraus forttragen würden.
Bin gleich wieder zurück !

Ich durchquerte den Rheinarm erneut und drüben schnappte ich Rad und Sandalen, um auch diese trocken über die Fluten zu heben.
Mühselig hob ich das Radl die Uferböschung rauf - barfuß ! - und dort oben montierte ich das ganze Gespann wieder reisefertig.

Ich möchte mal wetten, daß die wenigen Radler, die zweifelnd in die Tiefe schauten, meinen Anzug als den einzig geeigneten für solch rauhbeinige Naturbewältigung ansahen, und deshalb reihenweise vor den nassen Fluten kapitulierten.

Ich jedenfalls bog kurz nach der Furt über einen schmalen Eisensteg von der Straße auf den Rheindamm, um dort wieder in meinem Element zu sein.
Ein Radler-Kränzchen, das da in den Nachmittag plauschte, gab mir erst erschrockenen Gesichts, mit Blick auf meine nassen Füße aber doch mit einem Lächeln den Weg frei.

nacktradeln
schönes Nacktradeln

Die Rückfahrt zur Staustufe Gambsheim gestaltete sich menschenleer, unglücklicherweise jedoch von erheblichem Aufkommen schwärmender Blattläuse grün und schwarz gestört.
Dies ist eines der vielen weiteren Risiken des Nacktradfahrens, denn die Tierchen flauschen sich um deinen Leib, und ich hatte nach 4,5 Kilometern Dammfahrt einen Haufen von ihnen gegessen, und überall in den Körperhaaren saßen sie auch.

Das Vorkommen der Lausschwärme, die auf den Flußdämmen stehen können, ist tagsüber allerdings begrenzt auf wenige Tage meist im Mai.
Sonst stehen sie erst in der Dämmerung, wenns zum Nacktfahren meist schon zu kühl ist.

Wo der Damm etwas gepflegter ist, im Einfahrbereich der Staustufe, ließ auch die Lausplage nach, und so kam ich am späten Nachmittag gut gelaust wieder am Cafe an der Staustufe an.
Hier nun von neuem das Spiel, das wir bereits von der Hinreise kennen:
Nie nackig über die Grenze!

Einer Familie am Parkplatz zu Beginn der Rheinseitenstraße, die ihre Karre von den Resten des Tages ausschüttelte, wurde die Ehre zuteil, die Verwandlung eines ruch- und schamlosen Monsters in einen adretten, freundlichen Cycliste mitzuerleben - es ist nur eine Turnhose Unterschied :-) - , welcher alsbald die gefährliche Piste auf der Staumauer erklomm.

Kaum war ich auf der deutschen Seite hinter einem LKW-Hänger wieder die lange Treppe zum Loch runtergestiegen, wanderte die Hose ins Gepäck, und ich fuhr frei durch Freistett, durch den Auwald, an Helmlingen vorbei der Rench entlang, bis wieder zum Rhein.

Renchmündung
Renchmündung am Rhein

An einer Kreuzung im Industriegebiet Freistett gab ich einem Liegeradfahrer rechts vor links.
Trotz der Einsicht, daß angesichts dieser Begegnung einmal nicht er, sondern ich der besonderere Radfahrer war, meisterte er die Situation verkehrlich in vorbildlicher Weise.
Na, so Liegeradler haben nämlich eine ganz andere Perspektive :-)

Leider standen auch am deutschen Ufer unappetlich viele Läuse in der Luft, was mich zu langsamerer, ja geduckter Fahrweise nötigte.
Da es überdies schon recht ruhig, aber noch schön sonnig war, kam ich auf den Gedanken, die Fahrt doch für einige nette Nacktradelfotos mit Selbstauslöser zu nutzen

nacktradeln
schönes Nacktradeln

Damit hatte ich im folgenden Streckenabschnitt bis Greffern viel Freude, siehe die eingestreuten Abbildungen.
Leider stellte sich zuhause meine Kamera als während der Aufnahmen nicht ausreichend stromführend heraus, deshalb sind die Fotos recht beschissen, obwohl sie eigentlich doch recht gut gelaunt wirken.

An der Fähre Greffern noch einmal das Spiel mit der lustigen langen Autokolonne, wo alle schon auf den Nacktradler warten.

Schwarzwaldpanorama
Schwarzwaldpanorama bei Greffern.
Hinten die Baustelle nach dem Hafen.
Das Weiße ist nicht das AKW, sondern die Chemiefabrik Dow.
---> zum Vergrößern auf das Bild klicken !

Und im Yachthafen um kurz nach sieben dann ein nie gekannter freundlicher Empfang:
Angler und Hundespazierer, die entgegenkommen, grüßen mich mit einem Lächeln, die Jugend flitzt brav dazwischen auf ihren Bikes.
Am Yachtclub, dem Wasser-Cafe des Hafens, braucht man zur fortgeschrittenen Stunde ein Weilchen, bis man mich erspäht, aber weil es rund um die Wasserterasse geht, kommen doch alle in den Genuß, das tolle Ereignis hier in der Oase geruhsamen Nichtgeschehens mit eigenem Auge zu fassen.
Von den Booten dringt manch freundlicher Ton zu mir herauf.

Yachthafen Greffern
Yachthafen Greffern
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So gebe ich noch mal Stoff um den letzten Rheinbogen für heute, die Läuse stehen wieder arg, und ich bin nun auch wirklich mitgenommen und benötige ein Bad.

Dazu lädt hier auf Höhe Söllingen der Kriegersee, den ich durch Abfahren vom Damm und Querung des Kieswerks erreiche.
Schon von weitem hört man russische Schlager durchs Rohr schallen, und so weiß jeder, es ist Samstagabend.
Na irgendwo auf den Sandhalden finde ich noch Aufnahme, wo kleine Mäuslein bewundern, wie kräftig ich mein schweres Rad durch den Sand schiebe - ganz nackig.

Das Wasser in der Tiefe der Halden sieht schlimm aus, und arschekalt ists auch.
Kaltes Wasser - davor habe ich nun wirklich Angst.
Doch der Nacktradler muß zu dringend in die Wäsche, und nach 10 Minuten tunkt auch er sich im 15° warmen Kriegersee ein, wobei ihm schier die Eier abfallen.

Noch ein Haribo-Konfekt genascht und schon beendet ein kühler Wind mein Rad-FKK für diesen Tag.
Mit unterwegs stetig an Länge und Fülle zunehmender Kleidung fahre ich über Hügelsheim, den Hardwald und Sinzheim durch den frühlingskühlen Abend zurück nach Baden-Baden.

115 Kilometer, davon 85 nackt.


nacktradeln
schönes Nacktradeln

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