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Himmelfahrt mit Jürgen

Begegnungen der grünen Art in Brandenburg

von und mit Jürgen


Jürgen fährt !

Heute unternahm ich, leider wieder allein, meine angekündigte Radtour am Himmelfahrtstag. Diesmal fuhr ich fast schon von der Wohnung nackt, weil es früh noch sehr leer auf den Straßen war.

Knapp hinter der Ortsgrenze fuhr ich an einem Polizeiwagen vorbei, der an der Seite stand und mich gut sehen konnte. Es dauerte aber noch etwa 1 km bis er mich überholte (ich fuhr auf einem Radweg) und bei der nächsten Möglichkeit stoppte.

Ich hätte die Begegnung durch Abbiegen in den Wald problemlos vermeiden können, wollte es aber nicht. Als ich dann schon von weitem sah, wie mich der eine Polizist angrinste, ahnte ich schon, daß es keine Probleme geben würde! "Wie weit wollen Sie denn so fahren?" war die Begrüßungsfrage.
"Solange es mir Spaß macht", antwortete ich, "haben Sie ein Problem damit?" "Ne, solange es Ihnen nichts ausmacht", war seine Entgegnung.

Ich wurde bereits am Wochenende von der Polizei angehalten und man sagte mir, daß es kein Verbot gibt, nackt zu fahren. Ja, ist ja auch ok.
Seine einzige Sorge war, ob ich auch durch die Stadt so fahre. "Nein", beruhigte ich ihn, und er wünschte mir noch viel Spaß !!

Man könnte jetzt vermuten, daß sie sich schon bei meiner Sichtung in der Zentrale erkundigten, was sie machen sollten, und wohl die Information vom Wochenende gaben.
Ich mußte mich ja diesmal weder ausweisen noch anziehen!

Für mich könnte sich daraus nur ein Problem ergeben, daß man mich mehr oder weniger als Spinner gewähren läßt, und dann bei anderen anders reagiert, damit es nicht zur Massenerscheinung wird!

Jürgen fährt

Da ich ja nun allein fuhr, konnte ich meinem Affen Zucker geben, und fuhr über 150 km auf mehr oder weniger ruhigen Straßen.

Es begegneten mir viele Radfahrergruppen auf Herrentour und kam auch an vielen Gartengaststätten vorbei, wo gefeiert wurde.
In beiden Fällen gab es mächtiges Gejohle, aber immer positiv gehalten.

Auffällig bzw. bezeichnend dabei war, daß sie oft erst entdeckten, dass ich nackt war, wenn ich schon vorbei war. Wie ich im Rückspiegel sehen konnte, sahen sie mir dann noch hinterher.

Fast am Ende der Tour überholte mich noch ein Polizeiwagen und ließ mich stoppen.
Er machte mich aber nur darauf aufmerksam, daß gleich eine größere Stadt kommt und ich mir da günstiger Weise was anziehen soll.
Was ich sonst auf der Straße mache, ist ihnen egal.

>>>

Ich tat das dann auch und fuhr hinter der Stadt nackt weiter.

Nach etwa 5 km überholte mich das Polizeiauto abermals und ließ mich wieder stoppen.
"Tut mir leid", sagte der Polizist von vorhin.
"Wir haben 3 telefonische Beschwerden bekommen und müssen reagieren."
Er bat um meinen Ausweis und ging damit ins Auto. Dann gab er ihn mir wieder.

"Ich bitte Sie darum, bei der Weiterfahrt in unseren Kreis die Hose anzuziehen", sagte er noch.
Er sei auch FKK-Anhänger, aber wenn man sich hier in der Öffentlichkeit bewegt, wäre es eben Erregung öffentliches Ärgernisses, meinte er.
Ihm selbst sei es egal, was ich mache, aber wenn Beschwerden aus der Bevölkerung kommen, müssen sie reagieren. Meinte er.

Die Bestimmungen dort sind nach seinen Worten eben sehr schwammig, aber man kann nichts machen. Er brachte auch das Beispiel von dem Jogger in Freiburg, worauf ich entgegnete, daß das doch ein Musterbeispiel für Schikane sei. Er wollte aber nicht weiter diskutieren und verabschiedete sich höflich.


Jürgen im Grünen

Aus meiner Sicht sahen die 3 Beschwerden eher so aus, daß normale Bürger bei der Polizei anriefen, um zu melden, daß da ein Mann nackt auf dem Fahrrad fährt.
Das passte eben nicht in ihr Weltbild, und sie wollten es der Polizei melden. Von Beschwerde kann man da wohl nicht reden.
Aber offensichtlich gilt im Polizeigebrauch JEDE Meldung als Beschwerde.

Ich hätte große Lust, mich darauf einzulassen, das vor Gericht zu bringen, um so festzustellen, worin die Beschwerde bestand!
Aber da braucht man wohl einen guten Anwalt oder es geht so aus wie bei Peter....[Niehenke; Anmerk. der Redaktion]

Im Prinzip sehe ich die Situation für mich jetzt so, daß man nicht in erster Linie Angst vor der Polizei haben muß (die wird häufig so reagieren wie heute und es passiert nichts!), sondern vor eventuellen anonymen Meldungen, die dann je nach Auffassung der betroffenen Polizisten für mich harmlos ausgehen können oder eben nicht!

Nichts Neues also auf dem Gebiet!

Allerdings habe ich auch noch eine andere Version im Kopf.
Ich finde es nämlich komisch, dass ausgerechnet in der Zeit 3 Anrufe gekommen sein sollen, nachdem ich den ersten Kontakt mit der Polizei hatte! Das wäre doch höherer Zufall, nachdem ich jetzt fast 1000 km ohne Meldungen gefahren bin!

Sie haben sich vielleicht nur über mich geärgert, oder wollten mir was auswischen bzw. verschrecken, und gaben darum die Anrufe als Vorwand an, um meinen Ausweis zu checken und mich weiter bekleidet fahren zu lassen.

Was meint ihr dazu?
Meines Wissens gab es selten so konkrete Reaktionen bei der Begegnung mit der Polizei.

Es würde mich sehr ermutigen, wenn diese Beiträge nicht nur gelesen, sondern auch kommentiert werden würden, oder sind diese Fakten schon so selbstverständlich, daß man zur Tagesordnung übergehen kann?

biking