World
Naked
Bike Ride
12. Juni
2010
Karlsruher
Radtour
2009
Schöne
Berichte
Oftmals
gestellte

Fragen
Guter
Rat
Herrliche
Bilder
Empfeh-
lenswerte

Websites
Kontakt
& Be-
schwerden
English
Section
MSX 105

Gepäckträgertaschen SL 55 ELEGANCE NB
nacktradeln.de
Am Todestreifen






Begegnungen im Grenzgebiet

von und mit Chris


Ich fahre ja schon seit einigen Jahren auf wenig frequentierten Strecken nackig auf dem Rad, dafür aber immer nur tagsüber und bin dabei noch fast niemandem begegnet.
Doch was ich im Juli 2006 erlebte, stellte alles bisher Erlebte weit in den Schatten und ließ mich (für meine Verhältnisse) zur Hochform auflaufen.

Im Juli war ideales "Nacktfahrwetter" bei Temperaturen um die 30°C.
Ich hatte Urlaub und so entschloss ich mich zu einer Tagestour an die ehemalige deutsch-deutsche Grenze. Die Route hatte ich mir vorher mit Hilfe von Google-Earth zusammen gestellt.

Von Coburg kommend fuhr ich Richtung Weitramsdorf/Ummerstadt, natürlich textil. Ab Weitramsdorf führt eine wenig befahrene Landstrasse durch den Wald nach Ummerstadt in Thüringen.
An der Landesgrenze angekommen, bog ich in den ehemaligen Grenzverlauf ein. Er ist heute als Wanderweg ausgewiesen, von dem weitere Wanderwege abzweigen.
Auf einem kleinen Parkplatz stieg ich vom Rad und zog Hose und T-Shirt aus und verstaute sie in meiner Satteltasche. Ab hier gings nackig weiter.
Der Grenzstreifen selbst ist zum Radfahren weniger geeignet, da die Betonplatten mit Schlitzen versehen sind, in denen man mit den Reifen hängen bleiben kann. So bog ich bei nächster Gelegenheit in einen anderen Wanderweg ein.

Da auf dem Parkplatz keine Autos standen, ging ich davon aus, erst einmal keiner Menschenseele zu begegnen. Weit gefehlt, wie ich bald fest stellen musste.
Unbeschwert fuhr ich einen geschotterten Waldweg entlang und genoss es, mir die kühlere Waldluft um den nackten Körper streichen zu lassen. Plötzlich tauchte links vorn am Wegrand eine Frau auf, die Preiselbeeren suchte. Zum Bremsen war es längst zu spät, zumal der Weg bergab ging und ich einiges an Fahrt aufgenommen hatte. Also Augen zu und durch, wird schon schief gehen.
Beim Vorbeifahren sah ich dann auch noch einen Mann, der weiter drin im Wald ebenfalls Preiselbeeren suchte. Die Frau schaute zwar kurz auf, ansonsten nahmen sie aber keine Notiz von mir.

An der Kupferquelle machte ich kurz Rast und erfrischte mich ein wenig. Hier gibt es auch einen überdachten Rastplatz.
Kurze Zweifel, ob es denn klug wäre, unbekleidet weiter zufahren, da ich nach so kurzer Zeit schon Kontakt mit der "Zivilisation" hatte und vielleicht doch mehr los war, als ich vermutete, wischte ich kurzerhand beiseite.
Es war einfach zu warm und ich wollte mich dem Gefühl der Freiheit nicht entziehen.

So fuhr ich also weiter den leicht abschüssigen Weg entlang, als plötzlich zwei Wanderer, ein älteres Ehepaar, vor mir auftauchten. Ich konnte ihnen gerade noch ausweichen. Sie waren genauso erschrocken wie ich. Keine Ahnung, wie sie die Begegnung aufnahmen, ich fuhr einfach weiter.

Mein Herzschlag normalisierte sich wieder, bis ich wenig später drei größere Deiche passierte. Kein Mensch zu sehen.
Dann ging es aus dem Wald, vorbei ein einer Kuhweide und nicht mehr weit, bis zu meinem Wendepunkt, kurz vor Ummerstadt.
In Gedanken war ich schon auf der Rückfahrt, als urplötzlich ein Traktor vor mir auftauchte. Nachdem ich nun schon an Begegnungen gewöhnt war, fuhr ich einfach weiter. Der Traktor machte mir Platz und ich fuhr langsam an ihm vorbei. Der Mann auf dem Bock schaute zu mir herunter, als würde er eine Fata Morgana sehen.

Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen und fuhr bis zu meinem Wendepunkt weiter, von wo man einen guten Blick hinunter nach Ummerstadt hat.
Dann gings wieder zurück. Vom Traktor keine Spur, bis ich zum dritten Deich kam. Er stand führerlos vor sich hin tuckernd auf dem Weg und im Vorbeifahren sah ich seinen Besitzer nur mit Badehose bekleidet auf einem Bootssteg stehen. Er nahm keine Notiz von mir.

>>>    



- wahres Nacktradfahren

Um nicht wieder bei den Beerensammlern vorbei fahren zu müssen, nahm ich dann einen andern Weg, der auch zur Landstraße führte. Doch irgendwie hatte ich heute kein Glück.
Normalerweise hätte ich mich schon längst wieder angezogen. Nicht so diesmal. Irgendwie befand ich mich wie in einem Rausch, wohl auf Grund der nicht vorhandenen bzw. positiven Reaktionen aus der Umwelt. Ich wollte unbedingt mein Ding durchziehen, die Freiheit genießen und außerdem nahm ich meine Blöße als solche längst nicht mehr war.

Wie dem auch sei, kam mir doch tatsächlich ein Pkw auf dem Waldweg entgegen. War wohl der Förster. Ich hielt am Wegrand an und ließ ihn passieren. Förster oder nicht, er zeigte keine Reaktionen.
Ohne weitere Zwischenfälle erreichte ich wieder die Landstrasse.

Nun lagen zirka fünf- bis sechshundert Meter Landstraße bis zu meinem nächsten Abzweig vor mir. Wie schon erwähnt, ich befand mich wie im Rausch, anders kann ich es nicht erklären, daß ich doch tatsächlich nackt auf die Landstraße hinaus fuhr. Sicher, wenn ich Glück hätte, würde ich sie ungesehen passieren. Doch wirklich daran glauben konnte ich nicht.

Man ahnt wohl schon, wie es weiter ging: Erst kam ein Auto von hinten an mir vorbei gesaust und dann noch zwei von vorn. Außer daß die Beifahrer sich ihre Köpfe nach mir verrenkten, keine Reaktion.

Ich bog wieder in den ehemaligen Grenzverlauf ein, diesmal in die andere Richtung. Nach kurzer Zeit ein weiterer Abzweig durch den Wald. Der lang gestreckte Waldweg führt zu einem Gewässer, das sich Hermannsee nennt.
Kurz vor dessen Erreichen, mündet die leicht abwärts führende Strecke in ein Steilstück, das auf einem anderen Weg direkt am See endet.

Ich schaute noch ganz enttäuscht auf den See, der sich als weiterer Deich entpuppte, als plötzlich ein Grölen von links kam. Erschrocken sah ich in die Richtung. In einem überdachten Rastplatz saßen vier Männer reiferen Alters und winkten mir zu. Na klasse, dachte ich bei mir, jetzt hatte ich den Supergau. Das hatte ich von meiner Sorglosigkeit.
Ich stieg vom Rad. Einfach in die Flucht schlagen kam mir blöd vor, nein, da musste ich jetzt durch. So ging ich mein Rad neben mir her schiebend auf das Quartett zu. Wider Erwarten begrüßen sie mich freundlich. Einer meinte, das wäre genau die richtige "Kleidung" bei diesen Temperaturen, ihm selbst würde sie nur leider nicht stehen.

Nach weiterem Grölen und noch mehr begeisterten Sprüchen, luden sie mich ein, mich zu ihnen zu setzen.
Was wollte ich machen? Nackig wie ich war, nahm ich in ihrer Mitte Platz. Um es kurz zu machen, ich war auf einen Herrenstammtisch auf Wanderschaft gestoßen.
Es waren wirklich nette Zeitgenossen. Sie luden mich, aus ihrem Vorrat, auf ein Radler ein und nachdem wir uns angeregt unterhalten hatten (auch über nackig Radfahren) verabschiedeten sie mich und wünschten mir noch einen entspannten und sicheren Heimweg.
Eins war auf jeden Fall sicher, für die nächste Zeit war ich Thema Nummer eins an ihrem Stammtisch.

So beflügelt setzte ich also meine Nackttour fort, wieder Richtung ehemaliger Grenzstreifen. Es ging nun über offenes Gelände, mit herrlicher Weitsicht und weit und breit niemand zu sehen. Auf der Landstraße nach Neundorf abgekommen, verließ ich den Grenzstreifen, um ihr kurz zu folgen, dann bog ich nach links in einen Flurbereinigungsweg ein.
Ursprünglich hatte ich vor mich ab hier wieder anzuziehen. Doch meine positiven "Begegnungen", besonders mit den Leuten vom Stammtisch, gaben mir so viel Mut weiter zu fahren, ich konnte mich unmöglich "jetzt schon wieder" anziehen.

Der Flurbereinigungsweg ging erst mal bergauf, vorbei an Mais und Getreidefeldern. Oben angekommen hatte ich einen super Blick auf Neundorf und die umliegende Landschaft.
Meine "Begegnungen" waren wie abgeschnitten. Seitdem ich die Stammtischbrüder verlassen hatte, war ich keiner Menschenseele mehr begegnet, was mich fast ärgerte.
Nun noch den Berg hinunter, Richtung Neundorf und in der Unterführung unter der B 303 würde ich mich dann endgültig wieder anziehen.

Da war sie doch noch, eine letzte "Begegnung". Bei meiner Schussfahrt ins Tal musste ich fast auf null abbremsen, um an einem Traktorgespann vorbei zukommen, das auf dem Weg Richtung Feld war. Die Bäuerin, die den Traktor lenkte, schüttelte nur den Kopf, als ich mich vorbeizwängte.
Ob sie ihn wegen meines Tempos, mit dem ich ankam, oder wegen meiner "Bekleidung" schüttelte, wird allerdings ihr Geheimnis bleiben.

Ab Neundorf fuhr ich dann an der B 303 entlang, wieder in textil, zurück Richtung Coburg.
Ein wirklich gelungener Tag lag hinter mir, an dem ich nichts als Glück hatte.


Nackige Grüße aus Coburg
Eurer Chris