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Nackig radeln ohne Ständer

ein kleiner verstohlener Blick auf Rainer und sein Fahrrad

von und mit Rainer


In den vergangenen Wochen radelte dieser zur Freude der Verkehrsbeteiligten und zum Staunen der Anwohner vollkommen unbekleidet durch die Welt, wie Gott es wollte.

Gestern beispielsweise durch die badische Stadt Karlsruhe !

Nackig aus Baden-Baden kommend langte der rundum vollständig einsehbare Radfahrpilot zur besten Mittagszeit am Bahnübergang Silberstreifen vor Karlsruhe Stadt an.
Günstigerweise vor frisch geschlossenen Schranken, um eine ausreichende Stehzeit zu ermöglichen.

Das Bahnschrankenpublikum, Leute zum Einkaufen und an den See, und auch Radfahrer zum Garten, staunte nicht schlecht: die Köpfe neigten sich in alle nur möglichen Richtungen, um das Bild in der Gänze und auch vollständig zu gewärtigen, während ich mir ein wenig den Schweiß wischte.

Nach 4 Minuten endlich der Zug: nur Güterwagen, wie traurig.

Aber Halt, es ging weiter! Die Schranke blieb zu.
Neue Schrankengäste kamen und guckten, was es gab, und ich hoffte schon auf den ICE, aus dem alle sehen Rainer blank.

Aber dann kam ein S-Bahn mit Einkäufern, auch nicht übel.
Die S-Bahn-Köpfe drehten sich alle gleich herum und schon war die S-Bahn weg.
Dann kam noch ein S-Bahn, genauso schön schleichend an die Haltestelle; mehr Leute sitzen auch nicht im Schnellzug.

Jetzt aber genug von dieser Bahnschranke mit ihren Menschenmassen und hurtig gestrampelt in die große Stadt !

Es war so gegen eins, als ich am Schwimmschulweg aus dem Wald in die Kleintierzucht- und Gartenanlagen einfuhr.
Natürlich ist es nicht das Alltägliche, wenn ältere Mitbürger bereits früh am Tag mit einem unbekleideten Sportler konfrontiert werden.
Man möchte ihnen deshalb den einen ungläubigen Augenaufschlag zugestehen.

Im Vereinsheim saßen Menschen schon beim Schnitzel und blickten auf ihr Bier, als ich vorbei war. Es war leer.

In entschlossenem Schwung zog ich auf die Pulverhausstraße, die mich Richtung Innenstadt tragen sollte (4 Spuren!).
In der Mittagshitze blieben alle Verkehrsteilnehmer vorschriftsgemäß, auch als ich an der Ampelanlage Richtung Oberreut zügig übersetzte.
Lediglich den einen oder anderen scheuen Blick konnte ich ausmachen.

Auf der Fußgängerbrücke erspähten mich aber Cabriofahrer, die an der Ampel standen. Die hatten zwar eine lange Nacht hinter sich, waren aber schon wieder so fit, daß es für ein Riesen-Geheul reichte (Schwein, Sau, Schwuli :-) )

Ich lasse mich auf sowas gar nicht ein, sondern setzte meinen Weg unbeirrt in die Stadt fort, der mich nun über die lange und schmale Bannwald-Brücke für Radfahrer und die Straßenbahn führte.

In der prallen Sonne war kaum jemand unterwegs. Die wenigen Radfahrer, denen ich trotz hoher Zuladung aufgrund meiner gestählten Muskelkraft an der Steigung davonzog, staunten sicher nicht schlecht, was Nackt-Fahrradfahren alles bewirken kann.

Ah, ich hörte die Gleise, von hinten fuhr ein Straßenbahn herbei. Das würde bestimmt gut. Die Brücke ist so schmal, daß man nur ein Armbreit neben der Tram fährt.

Oben auf der Brücke ist ein Haltestelle, die erst bedient werden muß. Dann kann ich auch etwas aushecheln, ich mach mich dann abwärts besser. Ich rollte die lange Brücke herunter, während die Straßenbahn sich langsam von hinten näherte.

Ich merkte, wie sich das Gefährt auf mein Tempo abbremste und die Führerkanzel sich langsam neben mich schob. Der Straßenbahnfahrer schaute herüber, während er eine touristische Durchsage für seine Fahrgäste durchführte ('der Busengrabscher von Eggenstein').
Ich winkte schon mal recht nett. Die Bahn zog langsam an mir vorbei, damit alle was davon hatten. Neugierige standen auf und eilten zum Fenster.

Während die Straßenbahn zur nächsten Haltestelle glitt, schwebte ich geräuschlos von der Brücke auf die Europa-Plaza herab, wie Peter Alexander die Schau-Treppe...

Leider waren um diese frühe Mittagsstunde die üblichen Bevölkerungen des Platzes noch zu Bette und statt jubelndem Applaus drehten sich nur ein paar hitze-irritierte Köpfe von Radfahrinnen nach mir.

Ich bog ab Richtung Krankenanstalten, während die Straßenbahn klangzeichengebend davon fuhr.

Obgleich es mir noch Freude bereitet hätte, verzichtete ich schweren Herzens darauf, nackig an Bundesanwaltschaft und Arbeitsamt vorbei zu fahren, da es hernach keinen rechten Haltepunkt zur Wiederbekleidung gibt.

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Ich warf mir also am Krankenhaus etwas über und setzte durch die Innenstadt ('übers Mühlburger Tor fahr ich nur gegen Honorar nackig') bis wieder in den Hardtwald.

Es war schon wieder so heiß, ich konnte es kaum erwarten, mir die Hose vom Leib zu reißen, was ich denn am Adenauerring (4 und 6 Spuren) auch tat.

Der Autoverkehr erfuhr eine merkliche Auflockerung durch meine Bemühungen, man hörte es am Sound.
Insbesondere, als ich die voll frequentierte Kreuzung Willi-Brandt-Allee befuhr, bemerkte man am Adenauerring doch eine irgendwie entspanntere Atmosphäre als in den Kleintierzuchtanlagen rund um meine famose Heimatstadt Baden-Baden.

Im Hardtwald nahm ich erstmal ein Schlückchen Betriebsstoff und dann:
Akzeleration auf der Linkenheimer Allee !

Das ist ein langer Weg immer geradeaus nur für Radler, Wanderer, Reiter und andere Sonderlinge.
Die vielen entgegenkommenden Radfahrer sind meistens ziemlich perplex, wenn der 'Busengrabscher von Eggenstein' (Exhibitionist des Monats August in den Badischen Neuesten Nachrichten) mit 30 Sachen vorbeizieht.
Die wissen dann nicht mehr, ob sie näher ranfahren sollen, oder weiter weg flüchten.

Ein junger Mann mit sehr leckeren Beinen, der in etwa das gleiche Tempo hatte, floh nach zweimaligem Überholen in eine andere Fahrtrichtung. Dabei beiße ich überhaupt nicht !

An der Gärtnerei in Eggenstein strebte mir eine Frau mit einem viel zu großen Blumentopf entgegen (Gier der Frauen - Erfüllung der Frauen).
Laß bloß nicht fallen, dachte ich, während ich trotz hoher Geschwindigkeit ein freundliches Gesicht machte. Die Frau klammerte sich an ihren Topf. Sehr gut.

Doch schon 10 Meter weiter lag die nächste Frau zu Boden. Davor der Topf - entzwei !

Frauen - ihr macht uns das Leben schön ! :-)

Kauft einfach mal etwas kleinere Töpfe, ihr nimmersatten Frauen.

Frohgemut radelte ich weiter nach Leopoldshafen zum Baggersee.

Am Biergarten im Ort schon nachmittags alles voll. Hano und Hajo, so sagt der Schwabe, wenn er was sieht.
Am Hirschgraben beim Ortsrand gibts auch immer viel Staunen - welches bei den Frauen natürlich reines Entzücken darstellt.

'Da kommt der nackte Sommer !'

Also, die Frauen wissen natürlich, was gut ist.

Überall begegnen mir Menschen in gewagten Radfahr-Bekleidungen. Wer rechnet auch damit, daß man das noch so leicht toppen kann?
Sie alle muß ich auf den 2. Platz verweisen.

Nach entspannenden Stunden am See fuhr ich in der Abenddämmerung dieselbe Strecke wieder zurück nach Karlsruhe, natürlich 100% unbedeckt.

Abends ist es immer viel relaxter zu fahren.

Lediglich am Ende des Adenauerrings (viiiiieel Applaus!) erschreckte ich eine junge Dame, als ich einen dunklen Ort zum Anlegen meiner Dienstkleidung fürs Mühlburger Tor suchte.
Was machte diese junge Dame auch an diesem dunklen Ort?

Bald kam auch ein adretter junger Mann hinzu, den ich schonmal überholt hatte.
Nun konnte er der Verwandlung eines nackigen in einen angezogenen Radfahrer beiwohnen - gar nicht so häufig zu finden, dieser Vorgang.

Beide junge Menschen telefonierten verzweifelt, aber nicht miteinander.
Junge, gutaussehende Menschen telefonieren samstagsabends, oder sie rauchen.

Am Mühlburger Tor kaufte mich mir zu meinem gelungenen Nacktradfahrtag ein großes Schlumpfeis, das reichte bis zur Bundesanwaltschaft.
Um meinem Samstagabend nochmal etwas Pfiff zu geben, beschloß ich, mich gleich wieder auszuziehen, obwohl es schon etwas kühl war.

Unbeschwert fuhr ich durch den nunmehr bevölkerten, dafür schon etwas dunklen Europa-Versammlungsplaza, wo junge Menschen aller Rassen an Vergnügen nichts zu wünschen lassen..

Guck mal, guck mal - naja, unbeeindruckt erklomm ich wieder die lange Brücke, wo Entgegenkommende ängstlich ins Geländer flohen, da ich im Schein der Laterne nicht verborgen blieb.

Auch im Kleingartenverein war viel los, und, aufgrund der verschiedenen Lebenshaltung, viel Protest.

Aber bald wurde es endgültig zu kalt und ich beendete das Fahrrad-FKK und reiste unter sternenklarem Himmel mit einer Windjacke bekleidet nach Hause, nach Baden-Baden !

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